Erfahrungsbericht des Europäischen Jugenddelegierten Andin Berisha

Bei der diesjährigen EU-Jugendkonferenz in Dublin war Österreich stark vertreten: Gemeinsam mit Anna Schwabegger, Vorsitzende der Bundesjugendvertretung, und Anna-Marie Christely, ebenfalls Europäische Jugenddelegierte, durfte ich, Andin Berisha, Österreich vertreten. Vom 27. bis 30. September 2026 kamen unter der irischen Ratspräsidentschaft rund 300 Delegierte und Vertreter*innen aus ganz Europa zusammen, um über aktuelle Fragen der europäischen Jugendpolitik zu diskutieren. Im Mittelpunkt stand dabei das Youth Goal #4 „Information und konstruktiver Dialog“, das auch das Thema des neuen Zyklus des EU-Jugenddialogs bildet. Gleichzeitig wurde in Dublin an der Überarbeitung der Europäischen Youth Goals für die zukünftige EU-Jugendstrategie gearbeitet. Für mich war die Konferenz auch deshalb besonders, weil ich nach der ersten EU-Jugendkonferenz im März, die aufgrund der damaligen geopolitischen Situation online stattfinden musste, nun endlich die Möglichkeit hatte, die anderen Delegierten persönlich kennenzulernen und gemeinsam vor Ort zu arbeiten.

Selfie mit Europäischen Jugenddelegierten
BJV-Vorsitzende Anna Schwabegger, Europäische Jugenddelegierte Anna-Marie Christely und Andin Berisha

In meiner Arbeitsgruppe „Constructive Dialogue in Polarised Times“ beschäftigten wir uns mit der Frage, wie konstruktiver Dialog in zunehmend polarisierten Gesellschaften gelingen kann. Dabei führte die Diskussion schnell zu sozialen Medien und der Frage, welchen Einfluss Algorithmen darauf haben, welche Informationen wir sehen und wie wir miteinander kommunizieren. Eine unserer zentralen Empfehlungen war deshalb, die Regulierung von Algorithmen auf Online-Plattformen weiterzuentwickeln, damit polarisierende und aufsehenerregende Inhalte nicht automatisch bevorzugt werden. Gleichzeitig ging es um mehr Transparenz: Nutzer*innen sollen besser verstehen können, welche Daten über sie gesammelt werden und wie Plattformen ihre Inhalte auswählen. Besonders spannend war für mich aber die grundsätzliche Frage hinter all diesen Vorschlägen: Was bedeutet konstruktiver Dialog eigentlich? Für mich wurde in den Diskussionen deutlich, dass konstruktiver Dialog nicht bedeutet, dass am Ende alle derselben Meinung sein müssen. Es geht vielmehr darum, unterschiedliche Perspektiven auszuhalten, einander zuzuhören und trotz Meinungsverschiedenheiten gemeinsam weiterarbeiten zu können.

Parallel zu unserer Arbeitsgruppe wurde in Dublin intensiv an der Weiterentwicklung der Youth Goals gearbeitet. Anna-Marie Christely war Teil der Gruppe 6 und beschäftigte sich dort mit der Überarbeitung von drei Youth Goals, während Anna Schwabegger in ihrer Arbeitsgruppe am Youth Goal #10 „Sustainable Green Europe“ arbeitete. Damit wurden unterschiedliche Themenbereiche aufgegriffen und an die aktuellen Herausforderungen junger Menschen angepasst. Auch Fragen rund um demokratische Beteiligung, inklusive Jugendräume, Frieden und Sicherheit sowie Klimagerechtigkeit spielten eine Rolle. Gerade der Austausch zwischen den verschiedenen Arbeitsgruppen hat gezeigt, wie eng diese Themen miteinander verbunden sind. Verlässliche Informationen, demokratische Beteiligung und gesellschaftlicher Zusammenhalt lassen sich nicht getrennt voneinander betrachten. Neben der inhaltlichen Arbeit waren aber auch die Gespräche in den Pausen, das Kennenlernen anderer Delegierter und gemeinsame Erlebnisse außerhalb der Arbeitsgruppen ein wichtiger Teil der Konferenz. Genau dort entstand für mich ein großer Teil des europäischen Austauschs: unterschiedliche Erfahrungen, unterschiedliche Perspektiven und trotzdem viele gemeinsame Fragen.

Foto mit EYDs, Vorsitzender und Zuständigem im BKA Andreas Schneider
BJV-Vorsitzende Anna Schwabegger, Europäische Jugenddelegierte Anna-Marie Christely und Andin Berisha sowie Abteilungsleiter im Bundeskanzleramt Andreas Schneider

Für mich persönlich war Dublin deshalb mehr als nur eine weitere Konferenz. Ich bin mit dem Ziel nach Irland gereist, die Perspektiven junger Menschen aus Österreich einzubringen und bin mit neuen Ideen, Kontakten und vor allem neuen Fragen zurückgekommen. Die vier Tage haben mir einmal mehr gezeigt, dass die Aufgabe eines Europäischen Jugenddelegierten nicht nur darin besteht, für „die Jugend“ zu sprechen. Vielmehr geht es auch darum zuzuhören, unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen und die Anliegen junger Menschen in europäische Entscheidungsprozesse mitzunehmen. Genau darin liegt für mich der Wert des EU Youth Dialogue: Die Arbeit endet nicht mit dem letzten Programmpunkt einer Konferenz, sondern beginnt eigentlich erst damit, die gemeinsam erarbeiteten Ergebnisse weiterzutragen und ihnen auch auf nationaler und europäischer Ebene Gehör zu verschaffen.

Ihr wollt mit mir Kontakt aufnehmen?

Dann schickt mir gerne an andin.berisha@bjv.at eine E-Mail!
Ich freue mich auf eure Ideen und Anliegen!