Erfahrungsbericht des Europäischen Jugenddelegierten Andin Berisha

Andin Berisha ist neuer EYD

Im März 2026 fand die EU Youth Conference der zypriotischen Präsidentschaft statt – eine Konferenz, die ursprünglich in Nikosia (Zypern) geplant war, jedoch aufgrund der unsicheren geopolitischen Lage kurzfristig in den Online-Raum verlegt werden musste. Für mich wäre es die erste EU Youth Conference vor Ort gewesen – meine erste große Aufgabe als European Youth Delegate im Rahmen des EU Youth Dialogue. Entsprechend groß waren die Erwartungen und die Vorfreude auf den internationalen Austausch mit Jugenddelegierten, Ministeriumsvertreter*innen und Entscheidungsträger*innen aus ganz Europa.

 

EU-Jugendpolitik mitgestalten

Als bekannt wurde, dass die Konferenz online stattfinden würde, machte ich mir zunächst viele Gedanken darüber, wie ein solches Format funktionieren kann. Kurz hatte ich das Gefühl, wieder in die COVID-Zeit zurückversetzt zu sein – mit digitalen Meetings, Online-Diskussionen und begrenztem persönlichen Austausch. Doch bereits während der ersten Sessions wurde mir klar, dass die Wirkung und Verantwortung meiner Rolle als European Youth Delegate unabhängig vom Format besteht. Auch online war deutlich spürbar, dass junge Menschen aus ganz Europa ernsthaft daran arbeiten, die Zukunft der EU-Jugendpolitik mitzugestalten.

 

Die zukünftige EU-Jugendstrategie

Im Rahmen der Konferenz arbeiteten Jugenddelegierte und Ministeriumsvertreter*innen in acht verschiedenen Arbeitsgruppen an zentralen Themen wie zum Beispiel der zukünftigen EU Youth Strategy und der European Youth Goals. Ziel war es, konkrete Empfehlungen zu erarbeiten, die in die Council Conclusions des 11. Zyklus des EU Youth Dialogue einfließen und als Grundlage für politische Entscheidungen dienen sollen. Insgesamt wurden acht Workshops angeboten. Mich persönlich interessierte vor allem das Thema „The Future EU Youth Strategy“, weshalb ich mich bewusst für diese Arbeitsgruppe entschieden habe.

Besonders wichtig war mir, die Perspektiven und Anliegen der österreichischen Jugendlichen in die Diskussion einzubringen. Dabei konnte ich mich auf die Ergebnisse der 11. Beteiligungsrunde des EU Youth Dialogue in Österreich stützen. Im Rahmen des EU Youth Dialogue wurden zwischen April und September 2025 junge Menschen in Österreich dazu befragt, wie sie EU-Politik wahrnehmen und welche Maßnahmen notwendig sind, damit ihre Anliegen auf europäischer Ebene stärker berücksichtigt werden. Diese Ergebnisse konnte ich gezielt in die Diskussionen zur Future EU Youth Strategy einbringen – insbesondere im Bereich Youth Participation. Mein Ziel war es, sicherzustellen, dass die Perspektiven österreichischer Jugendlicher Teil der europäischen Empfehlungen werden und in zukünftige politische Prozesse einfließen.

 

Beteiligungsstandards für jugendfreundliche Politikgestaltung

Nach drei intensiven Tagen der Online-Konferenz wurden acht Empfehlungen erarbeitet, die nun Teil der Council Conclusions des 11. Zyklus des EU Youth Dialogue werden. Eine Forderung aus der EU Youth Conference, die mich persönlich besonders angesprochen hat, war die Einführung von verbindlichen Beteiligungsstandards für jugendfreundliche Politikgestaltung. Diese sollen sicherstellen, dass junge Menschen in allen Phasen politischer Entscheidungsprozesse verpflichtend und sinnvoll eingebunden werden. Gleichzeitig sollen klare institutionelle Verantwortlichkeiten festgelegt und transparente Feedbackmechanismen geschaffen werden, damit junge Menschen nachvollziehen können, wie ihre Beiträge in politische Entscheidungen einfließen. Gerade dieser Punkt zeigt, wie wichtig strukturierte und ernst gemeinte Jugendbeteiligung auf europäischer Ebene ist. Es reicht nicht aus, junge Menschen nur zu befragen. Ihre Perspektiven müssen systematisch in politische Prozesse integriert und sichtbar berücksichtigt werden.

 

Persönliches Fazit

Für mich war diese EU Youth Conference ein besonderer Moment in meiner Rolle als European Youth Delegate. Auch wenn ich mir meine erste Konferenz anders vorgestellt hatte, wurde mir bewusst, welche Verantwortung und Wirkung diese Position mit sich bringt. Es geht nicht nur darum, an Konferenzen teilzunehmen, sondern auch darum, die Stimmen junger Menschen mitzunehmen, sie sichtbar zu machen und in europäische Prozesse einzubringen.